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dtv Buchankündigung

Fake statt Fakt

Wie Populisten, Bots und Trolle unsere Demokratie angreifen

Die digitale Manipulation

Der öffentliche Raum hat sich fundamental verändert. Was als Tweet oder Post beginnt, führt zu praktischer Gewalt und hat unmittelbaren Einfluss auf Wahlergebnisse

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Teilen, posten, folgen … siegen? Die neuen Informationskriege

Der „Krieg um die Köpfe“ hat begonnen. Es geht um Werte, um Europa, um demokratische Ordnung und den Zusammenhalt von Gesellschaften. In dieser Auseinandersetzung werden Medien und Informationen als Waffe eingesetzt. Auch gegen, mit und in der deutschen Öffentlichkeit. Wir erleben, was in anderen Regionen seit Jahren Alltag für Mediennutzer ist: Einen hybriden Krieg, in dem staatlich oder auch guerilliaähnliche Desinformationskampagnen mittels herkömmlicher und neuer Medien massenhaft und gezielt eingesetzt werden – zur Werbung und Abschreckung, zur Rekrutierung und gezielten Fehlinformation. Eine Analyse von Ute Schaeffer. Publiziert im Buch “CSR und Digitalisierung” im Springer-Verlag.

 

Deutschland steht am Abgrund. Ein Land, in dem sich nicht mehr sicher leben lässt. Überrannt von Flüchtlingen. Kriminelle Migranten, die Mädchen und Frauen bedrängen. Die Polizei ist nicht mehr in der Lage, für die Sicherheit der Bürger zu sorgen. Bürgerwehren und mutige Bürger müssen die Gewalt, die von den Migranten ausgeht, eindämmen.[1]

So jedenfalls wird Deutschland von den russischen Medien dargestellt. Als schwacher Staat, in dem es sich nicht mehr sicher leben lässt. Das Gegenteil zum starken Staat Russland, in dem der Kreml für Ordnung und Ruhe sorgt.[2] Friedhofsruhe –  die Anmerkung sei erlaubt, denn Wirtschaft, Gesellschaft und Medien sind fast ausnahmslos zensiert und vertreten nur noch eine Position: die des Kremls.

Posts und Berichte in russischen Medien zur aktuellen Entwicklung in Deutschland werden zu einer Kampagne, die auf unsere Grundwerte zielt. Die verzerrt, verleugnet und verdreht, was unsere Demokratie ausmacht: Die bürgerlichen Freiheiten, den Schutz aller, auch der Minderheiten in unserem Land. Unsere demokratischen und gesellschaftlichen Institutionen und Verfahren. Die Meinungsfreiheit und das hohe Gut freier Medien.

Die Effekte dieser Kampagnen in der russischen Öffentlichkeit lassen sich messen: Meinungsumfragen von Anfang Februar 2016 zeigen, dass zwei Drittel der Russen (59 Prozent) der Überzeugung sind, dass Europa keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen sollte. Knapp ein halbes Jahr zuvor war es gerade mal ein Drittel (34 Prozent im September 2015).[3] Und drei von vier Russen sind der Meinung, dass die Flüchtlingswelle auch negative Auswirkungen auf Russland haben werde.[4]

Wer die deutsche Öffentlichkeit beeinflusst, beeinflusst Europa

Diese Desinformationspolitik richtet sich seit einigen Jahren nicht mehr nur nach innen, sondern auch nach außen. Die deutsche Öffentlichkeit ist für die russische Propaganda ein wichtiger Aktionsraum. Mit seinen 80 Millionen Menschen ist Deutschland ein entscheidender Faktor bei der Willensbildung in Europa. Wer die deutsche Öffentlichkeit für seine Sache gewinnt, dessen politische Position hat gute Chancen auf mehr Akzeptanz – auch auf politischer Ebene, in ganz Europa. Und daran hat Russland ein klares strategisches Interesse. Die russischen Propagandakampagnen zielen auf eine Teilung und Polarisierung der deutschen Öffentlichkeit – und in letzter Konsequenz stellen sie die politische und demokratische Ordnung in Deutschland in Frage. Sie zielen also tatsächlich auf das politische System und den sozialen Zusammenhalt in unserem Land.

Kühl planen die Propagandisten aus Moskau, welche Narrative, Bilder und Motive in Deutschland anschlussfähig sind. Zurzeit sind das die anhaltend aktuellen Themen Flüchtlinge – Gewalt – Sicherheit. Moskaus Propagandisten im Jahr 2016 setzen nicht mehr auf Störsender oder allein auf die lineare Verbreitung über Fernsehen oder Radio aus Moskau wie im Kalten Krieg. Sie setzen auf massenhaften Vertrieb von Informationen im Netz, auf direkte Ansprache unterschiedlicher Zielgruppen auf unterschiedlichen linearen und nicht-linearen Wegen: Durch den Hochglanz TV-Kanal Russia Today (RT) und die 2013 neu geschaffene Videoagentur Ruptly[5] mit ihren mehr als 100 Redakteuren verbreitet der Kreml seine Sicht der Dinge in der Welt. Eine Investition, die sich politisch und für die Medien in Reichweiten auszahlt: Russia Today hat in den neun Jahren seit seiner Gründung CNN an Reichweiten überholt. Putins Propagandasender liegt bei den Klickzahlen für Fernsehbeiträge auf YouTube mit fast 1,2 Milliarden Abrufen nur noch hinter der BBC. In Großbritannien schauen mehr Menschen RT als Euronews; auch in einigen US-Großstädten ist RT der meistgesehene Auslandssender. Über Russia Today und das staatliche russische Fernsehen, das über Satellit auch in Deutschland zu empfangen ist, können bis zu 3 Millionen russischsprachige Zuwanderer [6]  in Deutschland diese russischen Medien nutzen. Ein großer Markt – und ein großer Resonanzraum.

Es geht dem Kreml um Beeinflussung der Öffentlichkeiten – nicht nur im nahen, ex-sowjetischen Ausland, sondern auch in Westeuropa. Es gehe dem Kreml darum, „auch in westlichen Ländern eine alternative Öffentlichkeit zu schaffen”. Das sagt Margarita Simonjan, die Chefredakteurin des Kreml-Auslandssenders RT, der Muttergesellschaft von Ruptly.[7] Das macht Moskau aufwendig: snackable und meinungslastig  – mit kurzen Botschaften und moderner Verpackung sprechen die vom Kreml kontrollierten Medienprofis über die sozialen Netze unterschiedliche Zielgruppen an. “Man schafft mit selektiven Informationen, Teilwahrheiten, Emotionalisierungen, Lügen und Inszenierungen eine parallele Realität”, analysiert der russische Soziologe Lew Gudkow.[8] Er bezieht sich damit auf den Ukraine-Konflikt, bei den Medien als Waffe in einem von Russland betriebenen, aber nicht erklärten Krieg gegen den Nachbarn eingesetzt wurden. Doch auch in Deutschland funktioniert diese Methode: Hier zielen die Desinformationskampagnen einerseits auf die russlandsprachigen Mediennutzer und andererseits auf die Grundempörten und Rechtspopulisten der Pegida oder AfD, auf die rechtsextremen Anhänger der NPD.

Eine russische Erfindung? Wie sich der Begriff Lügenpresse in Deutschland verbreitete

Die Diskreditierung von Medien hat in Russland selbst unter Putin schon vor mehr als einem Jahrzehnt eingesetzt: Systematisch wurden in Russland unabhängige Medienstimmen kaputtgemacht und verdrängt. Kritische Journalisten mussten um ihr Leben fürchten. Genau 10 Jahre ist der Mord an der Journalistin Anna Politkowskaja her, die zur russischen Kriegsführung in Tschetschenien recherchierte. Gezielt wurde die Glaubwürdigkeit von recherchierenden Journalisten und unabhängigen Medien untergraben.

Seit 2014 gibt es auch in Deutschland einen Trend, Medien als unglaubwürdig und einseitig zu diffamieren, ihnen Professionalität abzusprechen. Er ist verbunden mit dem Begriff der „Lügenpresse“, der zuerst bei Pegida- und AfD-Demonstrationen auftauchte, später bei  Rechtspopulisten und Islamophoben im Netz. Der Begriff steht in einer unguten historischen Tradition: Oft wurde er im  Kontext des Ersten Weltkriegs eingesetzt. „Lügenpresse“ war hier die Presse der Feindstaaten. Die Nazis nutzten das Schlagwort, um Kommunisten und Juden und deren  Steuerung und Manipulation der Medien in Verruf zu bringen. „Ungehemmter denn je führt die rote Lügenpresse ihren Verleumdungsfeldzug durch“, schimpfte beispielsweise der Oberpropagandist Joseph Goebbels. „Lügenpresse“ wurde seit 2014 eine Standardvokabel der extremen Rechten in Deutschland. Rechtsextreme und Rechtspopulisten in Deutschland sind mit den russischen Medien einig darin, dass nicht nur die deutsche Polizei, sondern auch die Medien, Straftaten von Ausländern verschweigen. „Lügenpresse“ stigmatisiert journalistische Arbeit als einseitige Interpretation und Berichterstattung mit Schlagseite – und stilisiert die unmittelbare Meinungsäußerung, Kampagnen und Empörungslogik in den sozialen Netzen als Korrektiv und Wahrheit.

Soziale Medien als Vertriebskanal für russische Propaganda

Auf diese Echoräume, die me-sphere im Netz setzt die russische Propaganda. [9] Ein Beispiel ist die Kampagne #unsereLisa.

Anlässlich der Geschichte um die dreizehnjährige Russlanddeutsche Lisa schürten russische Medien sowie russischsprachige Einträge in sozialen Medien die Empörung unter ihren Nutzern. Das Berliner Mädchen, das über 30 Stunden als vermisst gemeldet worden war, sei von Flüchtlingen entführt und vergewaltigt worden, behauptete die Nachrichtensendung „Westi”. Medienübergreifend wurde die Kampagne in Gang gesetzt: Am 16. Januar sendete der staatliche erste Kanal eine Reportage, in der eine Tante des Mädchens detailliert Täter und Tathergang beschreibt und ein Onkel die Untätigkeit der Polizei beklagt.[10] Der Reporter berichtet zudem von einer Berliner Protest-Demo, auf der ein russisch sprechender Demonstrant zur Gewalt aufruft, weil Frauen und Kinder vergewaltigt werden. „Kein Mensch hat erwartet, dass solche Taten in einem zuvor sicheren Land wie Deutschland möglich sind“, so der Reporter-Kommentar. Eingeblendete Bilder zeigen Polizisten, die vor einer Asyl-Unterkunft stehen. An der Uniform der Beamten lässt sich allerdings unschwer erkennen, dass es sich nicht um deutsche, sondern um schwedische Polizisten handelt. Diese Reportage wurde dann in einer Version mit deutschen Untertiteln unter dem Titel „Berlin: dreizehnjährige 30 Stunden vergewaltigt“ über 1,7 Millionen Mal aufgerufen.[11] Die Reportage wurde, bis zur Aufklärung des Falls am 29.01.2016, 33.000 mal geteilt und mehr als 16.000 mal geliked. Auch der Teaser griff die Fehlinformation auf: „Wer erfahren möchte, welche Kapitalverbrechen der von Angela Merkel herangeschleppte, testosterongesteuerte und hoch kriminelle Migrantenmob mittlerweile in Deutschland verübt, erfährt dies unter anderem im GEZ-freien russischen Fernsehen“[12] – so wurde das Video beworben.IMG_1898

In der Folge forderten unzählige Facebook-Posts Russlanddeutsche auf, zu demonstrieren. Wer nicht mitmache, mache sich an der Schändung von Lisa und anderen Kindern mitschuldig, so hieß es. Bundesweit folgten am 4. Januar 2016 über 10.000 Menschen diesen Aufrufen. Der Berliner Ableger der ausländerfeindlichen Pegida-Bewegung, „Bärgida”, rief in der Folge unter dem Motto „Wir sind gegen Gewalt” zu einer Kundgebung gegen kriminelle Flüchtlinge vor dem Bundeskanzleramt auf, zu der 700 Menschen kamen.

Die Kampagne fand ihre Fortsetzung und Negativ-Höhepunkt auf offizieller politischer Ebene. Die russische Botschaft in London twitterte: „Die deutsche Regierung hat den Migranten ihr Land wie einen Teppich unter den Füßen ausgebreitet. Jetzt versucht sie, deren Verbrechen unter eben diesen Teppich zu kehren.“[13] Gipfel war eine Stellungnahme des russischen Außenministers Lawrow, der Deutschland – und zwar nicht nur den Medien, sondern vor allem der Bundesregierung – Vertuschung vorwarf. Hoffentlich werde nicht aus politischer Korrektheit „die Realität übermalt.“

Erprobte Methoden: der Pilotfall Ukraine

Die Realität zu „übermalen“ – das ist vielmehr die Methode russischer Medien. Über eine Vielzahl von Meinungen und Interpretationen zu einem Thema werden unterschiedliche Wahrnehmungen in Gang gesetzt. Eine Flut von Versionen und Informationen zu einem Sachverhalt entsteht – ohne Priorität, ohne dass Inhalte kuratiert, verifiziert oder recherchiert sind. Die Desorientierung des Nutzers wird nicht nur in Kauf genommen – sie ist beabsichtigt und Teil der Desinformationslogik. Was ist Wahrheit? Was bloß Vermutung oder Manipulation? In der Flut der Meldungen zu #unsereLisa ist das genauso wenig unterscheidbar, wie in der Berichterstattung über die Ukraine-Krise.

Der Fall #unsereLisa zeigt, dass die Desinformationskampagnen politische Ziele verfolgen. Erstmals erlebte die deutsche Öffentlichkeit genau das, was für die Ukraine, die baltischen Staaten – das nahe Ausland Russlands – seit 2013 schon tägliche Erfahrung ist – mit dramatischen politischen und sozialen Folgen, wie die aktuelle Lage in der Ukraine zeigt: Die Destabilisierung der nationalen Institutionen, die Diskreditierung eines Teils der Elite oder Teile der Gesellschaft und die Spaltung staatlicher oder sozialer Gemeinschaften. Mit Blick auf Deutschland und andere europäische Länder[14] zielt die Desinformation aus Moskau nicht auf territoriale Geländegewinne – aber auf soziale und politische Erschütterung und Empörung, vielleicht auch auf eine Destabilisierung unseres funktionierenden demokratischen Systems. Ziel ist es, Europas Gesellschaften zu spalten und Europa als politische Union auseinanderzutreiben.[15]

Desinformation – Waffe im hybriden Krieg

Dieser hybrider Krieg zielt auf die  Durchsetzung russischer Interessen im Ausland. Der Begriff wurde vom Kreml selbst eingeführt. Im hybriden Krieg spielen  Informationen und Desinformationen eine zentrale Rolle. Die Ukraine wurde seit  dem Frühling 2013 – und damit lange vor der Annexion der Krim – zum Pilotfall. Bereits im Januar 2013 sprach der russische Generalstabschef Walerij Gerassimow vor der Russischen Akademie für Militärwissenschaft zu diesem Thema. Gerassimow stellte klar, dass Kriege im 21. Jahrhundert nicht mehr auf konventionellem Wege zu führen seien, sondern vielmehr über „einen breit gestreuten Einsatz von Desinformationen, von politischen, ökonomischen, humanitären und anderen nicht militärischen Maßnahmen, die in Verbindung mit dem Protestpotenzial der Bevölkerung zum Einsatz kommen.“[16] Mit Blick auf die deutsche Öffentlichkeit wurde seit Beginn 2016 gezielt auf das polarisierende Thema „Umgang mit Flüchtlingen“ gesetzt – sowie auf das Empörungspotenzial der Rechtspopulisten.

In der Ukraine allerdings wurde der nicht-lineare Krieg sehr viel weiter getrieben – und das ganz im Sinne der russischen Militärführung. Es trat ein, was Gerassimow als Ziel der nicht-linearen Kriegsführung beschrieben hatte: Ein blühender Staat könne „in wenigen Monaten oder sogar Tagen in eine Arena für erbitterte bewaffnete Auseinandersetzungen verwandelt werden.“ Mit aller Macht wollte Moskau die Demokratie- und Europabewegung im Land stoppen. Aus Sicht des Kreml ging von den Protesten in der Ukraine dieselbe Gefahr aus wie von den Protestbewegungen in der arabischen Welt seit 2011. Aus Sicht des Kreml waren die Maidanproteste eine fingierte Aktion des Westens, ein Angriff auf die ganze russische Welt, explizit als eine „erste Etappe in einem Feldzug gegen die gesamte russische Nation“[17]. Auch in der Ukraine wurden manipulierte und falsche Informationen als Waffe eingesetzt, um die Menschen auf einen prorussischen Kurs zu bringen oder zu halten. Das geschah über russische Medien in Russland selbst – aber auch in der Ukraine und in den russischen Auslandsmedien. Dabei wurde der Sturz des korrupten Viktor Janukowitsch in den russischen Medien als Putsch einer russlandfeindlichen Junta dargestellt, welche die Ukraine in Gewalt und Anarchie gestürzt habe. Die Demonstrationen seien das Werk von Faschisten und Banditen, die Ukraine dürfe nicht Nazis überlassen werden.

Für die Desinformationskampagnen, die Russland über seine Auslands- wie Inlandsmedien in Gang setzt, gilt: Sie alle folgen denselben Mustern, genutzt werden etablierte Feindbilder, angeknüpft wird an tief sitzende Ängste.IMG_5129

Rechtspopulisten und rechtsextreme Gruppierungen und ihre Anhänger sind ein guter Hebel, weil sie den Werten nahe stehen, die Moskau in der Welt verbreiten will: Antiliberal, fremdenfeindlich, homophob – das kennzeichnet die russische Innenpolitik unter Putin. Das ist in Deutschland kaum mehrheitsfähig, unter Deutschlands Rechtsextremen und Rechtspopulisten sehr wohl. Deshalb ist die rechte Szene ein idealer Verteiler.

Ob hinter diesen beobachtbaren Zusammenhängen ein System steckt, das will jetzt auch das Bundeskanzleramt wissen. Im Februar bestätigte das Kanzleramt Recherchen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz den Bundesnachrichtendienst beauftragt habe, Informationen über die mutmaßlich vom russischen Staat betriebenen Informationskampagnen zu sammeln. Drahtzieher seien möglicherweise russische Geheimdienste.[18]

Zielt die Propaganda auf die Kanzlerin? Oder gar auf den größeren demokratischen Kontext? Unzweifelhaft ist, dass Russland gezielt rechte Gegner der Flüchtlingspolitik in Deutschland unterstützt. Sicherheitskreise beobachten, dass Verbindungen zu rechtspopulistischen und -extremistischen Gruppierungen gepflegt werden. Im März 2015 waren etwa 150 Rechtsextreme aus mehreren europäischen Ländern nach Sankt Petersburg eingeladen zu einer Veranstaltung der Kreml-treuen Vaterlandspartei (Rodina). Dazu gehörten neben dem Ex-Chef der NPD, Udo Voigt aus Deutschland, der frühere Vorsitzende der britischen Nationalpartei, Nick Griffin und Mitglieder der neonazistischen Partei „Goldene Morgenröte“ aus Griechenland. Die Jugendorganisation der AfD „Junge Alternative“ reiste zu Kongressen in die Ukraine und nach Serbien, die vom Kreml organisiert waren. Es gab sogar ein sicherheitspolitisches Seminar in Potsdam, das gemeinsam mit der russischen Botschaft organisiert wurde. Arbeitstitel des Kongresses übrigens: „Migration als destabilisierendes Element“.

Ex-Nachrichtenredakteur Alexej Kowaljow und seine Mitstreiter in Moskau versuchen – wie andere Projekte im Netz – Fälschungen und Unwahrheiten der russischen Medien aufzudecken. “Offenbar braucht die russische Propagandamaschine dringend Geschichten zur Ablenkung”, heißt es auf ihrem Blog. Ablenkung von dem freien Fall, in dem sich die russische Wirtschaft befindet, von den Einschränkungen der Bügerrechte, von der Bereicherung der Putin-Getreuen.

Der Informationskrieg des IS

Auch der IS kennt und nutzt die Mechanismen des Netzes für seinen Kampf um die Köpfe. Mossul im Irak, Kobane in Syrien oder der Grenzübergang al Anbar in Jordanien – unaufhaltsam verbreitet der IS seinen Kampf und sein Einflussgebiet. Die IS-Terroristen besetzen Territorien – und sie stecken auch im Internet ihre Einflussgebiete ab. „Syrien dürfte der erste Konflikt sein, in dem eine große Zahl westlicher Kämpfer ihre Beteiligung in Echtzeit dokumentieren. Und in dem soziale Medien eine essentielle Quelle der Information und Inspiration sind“, schreiben die drei Extremismus-Forscher um den deutschen Politologen Peter R. Neumann vom Londoner „International Centre for the Study of Radicalisation and political Violence“ (ICSR) in ihrer im April 2014 veröffentlichten Studie “Greenbirds”[19].Terroristen wollen Schrecken verbreiten – im Netz lässt sich dieser viral multiplizieren.

Die medialen Spielregeln kennt auch der IS. Nachdem er bis 2015 bis zu 20.000 Twitter-Accounts unterhielt, diese dann aber geschlossen wurden, setzt er zunehmend auf eigene technische und mediale Plattformen. Nach den Anschlägen von Paris kündigte der IS an, seine Informationen künftig vor allem im Dark Web anzubieten und zu vertreiben.

Zweck und Mittel bleiben die gleichen, die Botschaften auch. Differenziert zielen die Terroristen des IS mit ihren unterschiedlich aufbereiteten Informationen auf Menschen in allen Regionen der Welt und in verschiedenen Sprachen.[20] Gelassen gehen die Propagandisten des IS von einer hohen Medienkompetenz ihrer Anhänger aus: Der IS ist kein Verbund verarmter Kämpfer mit wenig Bildung – von seinen rund 50.000 Milizen nutzen viele soziale Medien – sie wissen um deren Wirksamkeit und nutzen sie entsprechend.

Profite finanzieren die Medienarbeit des IS

Im Gegensatz zu allen anderen Terrororganisationen verfügt der IS über einen riesigen und hochprofitablen Herrschaftsbereich: Jeweils ein Drittel der Fläche Syriens und ein Drittel der Fläche des Irak, mit einigen Millionen Einwohnern, die Schutzgeld und Steuern zu zahlen haben.[21] Insgesamt beliefen sich die Jahreseinnahmen des IS auf 1,4 bis 1,5 Milliarden Dollar. Soviel Geld im Hintergrund erklärt, dass sich der IS eine differenzierte  PR-Abteilung leisten kann, die Medieninhalte zielgruppengerecht und multimedial umsetzt. Dazu gehören traditionelle Medienprodukte sowie vier nicht arabischsprachige Zeitschriften des IS: die englische Version mit dem Titel “Dabiq”[22], die französischsprachige “Dar Al- Islam”,[23]  die türkischsprachige IS- Zeitschrift “Konstantiniyye”[24]  und für potenzielle Rekruten in Russland und den benachbarten zentralasiatischen Ländern gibt es mit „ISTOK“ eine Zeitschrift in russischer Sprache. Im Mittelpunkt stehen die Helden des IS: junge Männer, die bereit sind, ihr Leben im Dschihad zu lassen.  So titelte die türkischsprachige Zeitschrift „Konstantiniyye“ in ihrer dritten Ausgabe das Bild einer gewaltigen Explosion und die Überschrift “Märtyrertod-Operationen sind erlaubt und rechtmäßig”.

Ohne die digitalen Medien wäre die Globalisierung des IS nicht denkbar. Der islamische Staat nutzt soziale Netzwerke auf eine Weise wie das zuvor bei keiner anderen terroristischen Gruppe der Fall war. Zwar haben auch andere Extremisten, wie zum Beispiel die Al-Shabaab-Miliz in Kenia beim Angriff auf das Einkaufzentrum in Nairobi 2013 getwittert, aber der islamische Staat hat eine regelrechte Strategie für die sozialen Medien entwickelt. Er leistet sich ein professionelles Kommunikationsunternehmen, al Hayat Media Centers, das Filme produziert und im Netz viral verbreitet.

Es war unsexy, träge, unverständlich – das Image von Al-Qaida: Asketische, hoch gebildete Führungspersonen und Kämpfer. Ideologen, die ihre Botschaft hatten. Helden, die wenig erreichbar schienen. Die Medienarbeit von Al-Qaida war vergleichsweise hölzern und lud nicht zum Mittun ein. Das war kein Dialog, keine Beteiligung, sondern Einbahnstraßenkommunikation.

Der IS hingegen hat attraktive, massenwirksame Narrative geschaffen, die je nach Zielgruppe an deren kulturellen und individuellen Erfahrungen und Erwartungen angepasst werden. Mit Konten bei Netzwerken mit weltweiter Reichweite spricht der IS ein breiteres Publikum an als die meisten anderen Terrororganisationen. Ob Twitter, Facebook, tumblr, you tube, Instagram, justpaste oder sound cloud – die Nachrichten des IS werden den Gesetzen des Mediums entsprechend komponiert und produziert. Die Botschaft ist für die jeweiligen Nutzergruppen unterschiedlich verpackt: clean und ohne Blutvergießen für westliche Nutzer –  blutig und brutal für die Nutzer in den umkämpften Ländern. So gewinnt der IS junge Dschihadisten auch in Deutschland. Wie den 21-jährigen Arid Uka. Der junge Mann stammt aus dem Kosovo, lebte in Frankfurt und war als Leiharbeiter am Flughafen Frankfurt tätig. Weder das Bundeskriminalamt noch der Verfassungsschutz hatten den Mann im Visier. Am 2. März 2011 verübte Uka den ersten erfolgreichen islamisch motivierten Terroranschlag auf deutschem Boden, bei dem zwei Personen starben. Der Schock bei den deutschen Sicherheitsbehörden saß tief. Wie konnte das passieren? Wieso war dieser Mann total unbekannt? Die Antwort ist erschreckend: In relativ kurzer Zeit hatte sich der  Kosovare radikalisiert – vor seinem Computer in Deutschland. Wie viele andere konsumierte er die Propaganda radikaler islamischer Prediger. Er fand Gleichgesinnte, Anerkennung und Zuflucht in einer neuen, virtuellen Realität.

Das Video der Hinrichtung von James Foley (seit November 2012 verschleppt), das auf einer Internetseite, die solche Filme duldet, bisher 1,3 Millionen Mal angesehen wurde, ist an Nutzer im Westen adressiert.[25] Foley macht in orangener Guantanamo-Kluft die USA für seinen Tod verantwortlich, bereut, als Amerikaner geboren zu sein und spricht andere von jeder Schuld frei. Nach diesen Worten setzt der maskierte Killer, der Englisch mit britischem Akzent spricht, dem Journalisten das Messer an die Kehle und bewegt es. Dann verdunkelt sich das Bild. Es fließt kein Tropfen Blut. Die Enthauptung vor laufender Kamera ist wahrscheinlich vorgetäuscht.

Krieg mit anderen Mitteln

In den Videos, die sich an arabische Nutzer richten, ist die Sprache eine ganz andere: Wie in dem Video, das über elf Minuten die Ermordung rebellischer Staatsangehöriger vom Stamm der Schweifat nahe der syrischen Stadt Seir al Sor zeigt – und das an Brutalität nicht zu überbieten ist. Hier ist das Ziel: Abschreckung und Unterwerfung. Das hat gut funktioniert – in vielen syrischen und irakischen Orten ergaben sich die Menschen der zahlenmäßig unterlegenen Terrormiliz. Die kurdischen Peschmerga rannten Anfang August fast überall einfach davon.

Die Zielgruppe solcher Geschichten im Netz sind potenzielle Rekruten aus dem Ausland. Die sind meist jung, männlich und onlineaffin. Schätzungen zufolge sind zwischen 12000 und 15000 Ausländer in den Konflikten in Syrien und dem Irak auf Seiten des IS aktiv. Der Verfassungsschutz warnt vor einer „virtuellen Dschihad-Gemeinschaft“ im Netz, die natürlich auch in Deutschland lebt. Immerhin: 6200 Salafisten in Deutschland[26] meldet der deutsche Verfassungsschutz. Tendenz steigend. Und mehr als 150 junge Dschihadisten seien aus Deutschland ins Kriegsgebiet gereist, Tendenz ebenfalls steigend.

Kriege werden vor dem Bildschirm entschieden

„Es wird nie so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd“, wusste schon Otto von Bismarck. Im digitalen Zeitalter werden Kriege nicht mehr erklärt, sondern zunehmend über Information und Desinformation geführt und an Computer- und TV-Bildschirmen entschieden. Das wichtigste Schlachtfeld ist das Internet, wie es im Spiegel-Artikel „Das Ende der Wahrheit“ vom 30.1.2016[27] richtig heißt. Und wir, die deutschen Nutzer, sind eine strategisch wichtige Zielgruppe.

 

 

[1] Wichtiger Anlass war die Silvesternacht in Köln, die russische Medien zum Anlass nahmen, vor der Eroberung Europas durch die Flüchtlinge zu warnen, zum Teil mit fingierten und manipulierten Statements von angeblichen Flüchtlingen, z.B. in der Sendung “Завоевание Европы”, http://www.5-tv.ru/glavnoe/broadcasts/508981/328/

[2] Beispiele aus russischen Medien, die zeigen, wie Deutschland als ein Land dargestellt wird, das die Kontrolle verloren hat, als ein Land, in dem Chaos und Unordnung herrscht: “СМИ: власти Германии не имеют информации о 130 тысячах мигрантов на территории страны”unter http://www.1tv.ru/news/world/302799, „В Германии вынесен первый приговор по делу о беспорядках,которые мигранты устроили в новогоднюю ночь“ unter http://www.1tv.ru/news/world/302697, “Власти Германии обвинили российские СМИ в применении методов пропаганды времен “холодной войны”unter http://www.1tv.ru/news/world/302410 (Deutschland habe Russland vorgeworfen, Methoden aus dem Kalten Krieg anzuwenden).

[3] Meinungsumfrage zitiert nach Mandraud, Isabelle: „L’offensive mediatique russe vise l’Europe“, 12.2.2016, S. 2.

[4] Die Informationspolitik Russlands hat einen klaren Zweck: Russland, zumindest in den Augen und Ohren der Nutzer russischer Medien, wieder zu dem zu machen, was es sein sollte: eine globale Supermacht. Nirgendwo gelang diese Informationskampagne besser als in Syrien. Nicht nur medial, auch politisch hat Russland dort erreicht, worum es geht: Auf Augenhöhe mit den USA entscheidet Russland über Krieg oder Waffenstillstand.

[5] Aus der Ostukraine aber hat die Agentur nahezu ausschließlich wohlwollende Beiträge über die prorussischen Anhänger der von Separatisten gegründeten “Volksrepublik Donezk” im Angebot. Zudem dürfen Rechtsradikale wie der Brite Nick Griffin oder der NPD-Ideologe Olaf Rose bei Ruptly gegen die EU und ihre Ukraine-Politik hetzen.

[6] Laut Statistischen Bundesamt (Stand 2014) leben in Deutschland 2.927.000 Menschen erster und zweiter Generation aus den Gebieten der ehemaligen Sowjetunion. Ethnische Minderheiten sind ein guter Hebel, um Zugang zu schaffen für Informationen aus russischer Sicht. Das gilt für die Separatisten in der Ost-Ukraine, für die russischen Minderheiten im Baltikum und nun offensichtlich auch für die Deutschland-Russen, als deren Schutzmacht sich Russland versteht. Deutschland ist in der EU neben den baltischen Staaten das Land mit der größten russischsprachigen Diaspora.

[7] http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-127194954.html

[8] Gudkow ist Direktor des Moskauer Lewada-Zentrums, des führenden unabhängigen Meinungsforschungsinstituts in Russland.

[9] Desinformation hier verstanden als eine nach objektiven Maßstäben falsche Information, von der der Urheber oder diejenigen, die sie verbreiten, selbst wissen, dass sie falsch ist

[10] Vgl. http://www.1tv.ru/news/world/300073

[11] Versandt wurde diese deutsche Fassung von einer falschen Facebook-Gruppe unter dem Titel „Anonymus“.

[12] Freytag, Peter: Vereint im Propagandakrieg. Kontext: Wochenzeitung Nummer 253, 6. 2.2016, S. 1.

[13] Vgl. NTV: „Lawrow will Steinmeier anrufen“, 29.1.2016, vgl. www.n-tv.de/politik/Lawrow-will-Steinmeier-anrufen-article16888251.html

[14] Die Moskauer (Des)Informationskampagnen treffen aber auch die europäischen Nachbarn. Seit Oktober 2015 veröffentlichte der Auswärtige Dienst der EU einen wöchentlichen Überblick über die jüngsten Informationskampagnen. Auch das ungarische Forschungsinstitut Political Capital bestätigt enge Verbindungen zwischen einigen extrem rechten Parteien Europas und der aktuellen russischen Führung.

[15] Vgl. „Das Ende der Wahrheit“, in: Der Spiegel, 30.1.2016.

[16] Gutschker, Thomas: „Putins Schlachtplan“. In: FAZ 7.9.2014, vgl. http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/putin-hat-invasion-der-ukraine-seit-2013-geplant-13139313.html

[17] Ebd.

[18] Der Tagesspiegel, 20.2.2016, S. 4.

[19] Zwar werden die meisten Auslandskämpfer über persönliche Kontakte und Netzwerke ins Kriegsgebiet gelotst, doch das Internet spielt eine wichtige Rolle. Auch die Bundesregierung warnt: „Die Propaganda des IS und dessen Kämpfer, Unterstützer und Sympathisanten, die im Internet verbreitet wird, spielt eine zentrale Rolle bei der Rekrutierung neuer Kämpfer“. Vgl. http://icsr.info/wp-content/uploads/2014/04/ICSR-Report-Greenbirds-Measuring-Importance-and-Infleunce-in-Syrian-Foreign-Fighter-Networks.pdf

[20] Das erste Mal traf das David Pearl, den israelisch-amerikanischen Journalisten in Pakistan 2002.

[21] Allein in Mosul, der zweitgrößten irakischen Stadt, die die Terroristen Mitte Juni erobert haben, beliefern sich die sogenannten Steuern auf acht Millionen Dollar pro Monat, wie die libanesische Journalistin Mona Alami in einer Studie für die Carnegie Stiftung schreibt.

[22] An diesem Ort in Nordsyrien soll es zur Endzeitschlacht gegen die „Ungläubigen” kommen.

[23] Haus oder Herrschaftsbereich des Islams.

[24] Osmanische Bezeichnung für Istanbul, die an die islamische Eroberung des byzantinischen Konstantinopels und seine Umwandlung in die Hauptstadt des Osmanen- Kalifats erinnert.

[25] Eine Minute, elf Sekunden. Ein Mensch wird ermordet, die Kamera läuft. Anfang Oktober 2014 verbreitete die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ein Video im Internet, das die Enthauptung des Briten Alan Hennings zeigt, eines 47-jährigen Mitarbeiter einer Hilfsorganisation, der neun Monate zuvor in Syrien entführt worden war. Es war das vierte entsprechend inszenierte Video einer Enthauptung.

[26] https://magazin.spiegel.de/SP/2016/5/142149732/index.html

Fakes and propaganda – How populists and extremists used digital media in Germany

Keynote for #praguemediapoint “Media in the Post-TruthWorls”, New York University Prague, 3rd November 2017

What will happen if a growing number of citizens in a society is saying “rapefugee” – a combination of rape and refugee – meaning the refugee. If a growing number is labeling deputies of the Green Party as child abusing or „gay greens“, other traditional parties as “parties of the system“ and blaming both for selling out your national culture and identity? If an increasing number of people is summoning the growing threat of civil war in your country, declaring that your nation is in an estate of emergency and insecurity?

There are no exact numbers on how many people in Germany are using these discriminating and degrading words – but what is clear and measurable is that this language of defamation is used more often than years ago and that there is a notable and growing number of internet platforms and rightist Facebook Groups around the AfD distributing them. The AfD (alternative for Germany) is a sort of virtual engine for the digital marketing of these ideas.

Following the summon of this growing number of the self-declared “alternative media ” in my country, Germany is a country on the brink, only one step beside an economic collapse and an escalating civil war.

For one and a half years I researched what the stories of this counter-echo-chambers look like, who cooperates with him in these bubbles and which digital strategies have been developed.

 

There are a few results of my research I’ld like to share with you:

First: the range of non-democratic actors is diverse – they built up a very efficient virtual network – including AfD and Pegida groups, including extreme rightist and conspiratorial platforms, including pure fake news platforms or antimuslim campaign media — and also Russia Today. All these actors form a pragmatic alliance and network, they share content in order to multiply the outreach of their non-democratic messages.

And despite their differences they have messages in common and they share a comparable language!

The attack on democracy starts with an attack on language. If we do not longer have the same words and language to describe reality we would lose the ability to negotiate. But it is this negotiation and narrowing of different positions what makes democracy possible. Democracy means: to find compromises.

And it is exactly the intention and main goal of populists and extremists to poison, erode and to impede this political and social dialogue.

There is second goal of their digital political communication: to disseminate and strengthen emotions: disillusion, fear, anger, hate.

The political success of the populists rely on emotions — the creation of an atmosphere of protest —it is in the interest of their political success to distribute emotional stories.

If we know these two goals, it seems logical that fake is a constituent element of the populist political communication.

In my input today I clearly understand FAKE as disinformation: intentionally produced, wrong and misleading information which is distributed to manipulate and influence people ideologically, politically or/and to harm others.

The media in the new-right echochamber do not have the purpose to inform. It has the purpose to create emotions. And fake is ideal to create emotions and to attain a certain outreach. Fake is far more often shared on social media than facts! It is sensational, taboo-breaking, provocative, and that means: snackable, shareable.

For populists – declaring themselves as „voices of the people“ — social media is a sort of natural environment. The unlimited peer-to-peer communication is an appropriate and efficient distribution tool – a sort of “technical engine” for spreading non-democratic, populist ideas.

 

AfD started on social media

Just to put the facts on the table: There was and there still is no other party in Germany which has a comparable outreach and activity on social media than the AfD. The party used social media before it even started as an official party. They launched a Twitter account on 14 September 2012 – which was five months ahead of the official start. Shortly before the Election Day 24th of September, the party binds approximately 400,000 people through their different Social media activities. Just to compare that with Christian Democrats and social democrats the number of fans for them was around 170,000 fans.

There are different reasons why the outreach was so high: First of all an intensive networking and exchange of digital content – between extremist right identitarian blogs and YouTube channels and media which are directed or clearly connected to the AfD and more fluid conspiratorial platforms. The existence of a lot of AfD-activists, who understand that the Web is opening up a space for campaigning, which the traditional media was not offering to the AfD, was a main factor to achieve this outreach. Following the examples of alt-right chat rooms in the USA, similar closed chat rooms emerged in Germany during the last two months before the election. And they efficiently launched different Twitter campaigns leading to trending hashtags like „not my chancellor“, „Merkel must leave“ and „vote for AfD“ (#nicht meine Kanzlerin, #Merkel muss weg, #AfD waehlen).

It is an observation proved by a number of network-analysis that the AfD was a main actor and driver to establish Echo chambers of nationalism, hatred and disinformation on the web. Closed AfD Facebook groups were a sort of incubator for launching key narratives supporting the idea of an exclusive German society including pure Bio-Germans; meaning German-speaking, German-native, German-rooted by family history. This is not the society Germany looks like today!

The AfD succeeded in setting the agenda during the election campaign. Starting in the web, their slogans and buzzwords have been picked up by classical media, political talk shows, politically controversies during the campaign. They succeeded in placing the migrants’ issue as the one and only election issue. Concerning Germany – we have to admit their agenda-setting has been much more successful than of any other of the established parties.

The achievements of these digital media strategies are measurable. One out of three tweets about the parliamentary election in the weeks before September 24th referred to the AfD. This means: one third of twitter traffic was connected to a party mobilizing at that point 10-12% of voters! – in comparison tweets referring to the Christian-Democrats were around 18%, for the social democrats around 9 %!

And you can see the practical consequence of this agenda-setting in the Bundestag, the German parliament now: 12,6 Percent of Germans voted for the AfD – a populist protest party including a wide range from frustrated low-income people to conservative middle class eurosceptics, to extreme-right nationalists and racists. Among the current AfD voters you find one million former conservative CDU/CSU voters, half a million former social democratic voters and 1,2 million people who did not vote during the last elections. This broad political mobilization is for me not explainable without taking into account the digital campaign of the AfD, who was the only party with an efficient digital media strategy.

 

Populist narratives always deliver an interpretation and evaluation of reality

There is a set of narratives the populists are using – they are adapted to current occasions or events. It was very interesting for me that we could prove on data-basis how persistent these narratives have been. And that they were intensively shared in the weeks before the election. I cooperated with a network analyst and political scientist Josef Holnburger who worked on this data. On this occasion I will sum up the research results – The key narratives of the populists are:

  1. All the others – from the lying press to the traditional parties – are part of a corrupt elite, they are enemies of the normal people.
  1. Islam is not a religion! It has nothing in common with European culture and identity. It is an ideology of violence. As a consequence, all Muslims are ready to commit violent attacks or rapes.
  1. We, the normal people are only “second class” in Germany, Marginalized by a policy which is protecting the rights of the elites and protecting even the rights of migrants more than ours – to the detriment of normal citizens.
  1. The state is at stake (Staatsversagen), it is failing, not longer guaranteeing the security of citizens and protecting their rights.
  1. There is a lack of security in my country: women couldn’t cross the street without being violated by immigrants
  1. There is a risk that our identity and culture get lost because of the growing number of immigrants. Perhaps there is even a political plan behind it – our mainstream politicians are inviting Muslim migrants to our country in the aim to replace Germans by Muslim population.
  1. As a consequence, we should revise and adjust our understanding and memory of our national history. There is no longer the need to feel ourselves guilty, and to confess so often our historical responsibility for the nazi-era and the holocaust. We are another generation and it is necessary to finish the unilateral memorial cult making us responsible for a very short time of German history!

What is clear: these narratives are all emotional, evaluating and interpreting reality, they are delivering frames — which define h o w we perceive reality or news. And these very different frames separate and polarize our society.

Populists and extremists need to create stories of the utmost urgency to legitimize their mission. Their stories should activate and agitate people. This is the reason why the story of a white Genozide or a civil war is so often used. The aim of their communication is to get people engaged (not informed) – to make them part of their political battle, or as the AfD called it : the uprising of the German people. to achieve this, they distribute appeals and apocalyptic (fake)news.

You are no longer safe in this country! We are crushed down by a wave of criminal asylum seekers, who replace the original Germans! The state and its institutions are corrupt, selfish and in the hands of an Elite, ignoring the needs of the normal people! The press and the media is part of the elite’s power play, do not trust the lying press!

 

Active involvement is part of the populists’ communication 

Their stories create emotions and space for active involvement.

What you feel is real! – this is what the stories of the populists stand for. And fake stories: Angela Merkel is a granddaughter of Hitler, social democrat Schulz will create “concentration camps for dissident citizens” – is evoking immediately those emotions.

Let me put in a very simple formula: populists and extremists need stories with clear heroes, winners and losers. All their stories follow this storyboard and character bible: they report on heroes – dissidents and resistant (wutbuerger) citizens – who already engage in the pegida-movement or the AfD – and on victims: normal people like you and me. They tell about perpetrators – the corrupt elite, mainstream media, violent foreigners – and victims : normal people like you and me. They tell the story that a revolution and wave of resistance is needed to destroy an unjust political system where citizen rights are not protected. they tell the story that our democratic institutions are not representing the people‘s will, that our judges are not neutral etc.

Approximately 60 percent of AFD voters admit in opinion polls that they voted for the AfD because of frustration and disillusion. They do not feel themselves heard, recognized – and represented. These are the feelings – beside anger or fury – the AfD distributed, strengthened and provoked systematically by their narratives and stories intensively distributed in a digital media strategy.

After 1 1/2 years of research in the echo chambers of the rightist populists I must say that I felt the influence of these narratives on me. The stories in my Research-Newsfeed were filtering and influencing how I perceived reality, political communication and news. My world was shrinking in a certain way. The misanthropic basic attitude of these stories made me cautious and more mistrustful. I felt myself more quickly unsecured. For many of AfD voters these narratives and these fake stories have been more convincing than reality. One very simple reason for that: there are no debates in the rightist echochambers – they agree, like, share and tweet the same opinion. And when so many people think or feel like me – could that be wrong?

All European countries are confronted with a similar digital structural change of the sphere of public information and political opinion building. There is a growing support for autocratic, racist nationalist ideas – and a growing doubt on democratic institutions and procedures. It is an attack on our humanitarian value system and our liberal understanding of diversity in our societies. And there is no doubt that the propaganda of those narratives on the web is playing an immense role in distributing and expanding populist positions. One could say: Germany is only at the starting point of this development. Yes, that is right! Only one out of five tweets on twitter referring to the election during the election campaign was a wrong, a fake information. In the US campaign it was every second tweet!

2017 was the year, where the rightist populists placed themselves with comfort – politically and in the public perception: 11 Million French voters vote for the extreme right Marine Le Pen. Which means, that the Front National has four times more seats in the National Assembly than before. Geert Wilders in the Netherlands won 13% of voters and leads now the second strong party in parliament. And the AfD is —after the SPD — the biggest oppositional party in the German Bundestag with more than 90 deputies.

The rightist digital political communication is not a virtual method alone. It implies an impact on “Realpolitik” in our country. At has an erosive effect on our political and social discourses, and a disruptive effect on the way we form our opinion. Following the election coverage of the traditional media on one hand and on the other hand following my far-right research newsfeed I am sure: we should not continue to just notice that. We should no longer only react but act. Looking at this trend it is high time to train us in a more sovereign and competent handling of the populist’s communication scheme consisting mainly of too simple stories, on disinformation, on provocation and breaking taboos. This is a challenge for political and media communication and to all the actors in this sectors and in civil society.

The attack on democracy and values starts with the attack on language – the creation of slogans, the creation of simple narratives. The populists are enlarging what we are allowed to say – when Björn Höcke, labels the holocaust monument in Berlin a “monument of shame”, when AfD-Facebook group members attribute violence and sexual abuse to all Muslim men, marking and defamating Islam as an “ideology of violence” and denying it as a religion. When the populists say “people” they refer to a racist concept of cultural origins, excluding migrants and sometimes also the children of the children of former migrants!

All this is fundamental and means: to abandon human rights. To amend our constitution. To create a two-classes society of pure Germans and others, who shouldn’t be able to get the same support and social welfare. It is an exclusive intolerant model of society , separating and polarizing us. In this sense, the presence of populists and their political communication is a challenge for all democratic actors, be it politicians, be it journalists, teachers, active citizens. It is necessary to consciously reshape our functions and responsibilities, in the aim to establish a digital civil society.

 

What is the right reaction?

It makes no sense to react with aggression! We should not use the same provocative misleading language or follow the slogans and words of the populists. On the other hand it will not work to simply try to avoid what is thought or discussed at the basis of these populist and protest movement – and shared and multiplied in the web. Democracy will not fail because of controversies, disputes and conflicts of opinions. Democracy will fail when there is a lack of controversies. When the ones in power try to avoid a direct confrontation, try to avoid provocative issues or burning social questions – while the other comment and discuss that aggressively in the web. We have to put the hard and difficult questions on the table – be it in parliament, in Talkshows or on local political level.

 

Working on media literacy is key

There are indicators that legal means to oblige the online companies to reduce and liquidate fake and hate posts are inefficient. Fake is simply to massive. Much more efficient will it be to work and engage in strengthening digital media literacy. My institution – Deutsche Welle Academy – worked since a few years ago intensively on Media Information literacy, we support citizens in 50 countries to critically and attentively use and participate in digital media. To raise resilience in areas of conflict and post conflict and in areas of massive disinformation. There are good reasons to do so! Nevertheless in Germany this issue is a very neglected and underestimated one and we – like other western democracies – must invest a lot more in view of the quantity of disinformation which will not diminish but grow further in the future. The more people know how to critically use information and how to differentiate fake and truth – the less successful the simple stories of the populists will find their audience.

Civil society should digitalize. What do I mean by saying that? I think it is a risk for democratic actors to act and activate in an analogue environment – while non-democratic actors dominate the virtual “social” environment, what social media are for many. I am convinced that we need better digital strategies to get people engaged for civil society purposes and civic participation. The web clearly offers new opportunities for that! Shaping this digital civil society and understanding the role of media and journalists as a key promoter could create new chances for a broader inclusive participation of people in decision making. This is the big asset I see in the deep structural change of public information sphere.

There is the need of raising good stories and good fact based stories for democracy. We should have our own good story! I’d like to ask you: when did you read recently a convincing story why Europe is worthy and offering new perspectives to build up businesses, connect people? I read a lot about Macrons Europe-speech, about the dissents between Berlin and Paris on several complex questions, or the Czech elections. But where is our own inspiring and attracting narrative on Europe as a territory of opportunities, a borderless entity including different cultures and languages, a diverse society, sharing similar, perhaps the same values?

 

What does that mean for journalistic work?

I fear that what I will say now is neither a surprise nor really new – it is a very pure, quality and fact driven idea how journalists should deal with this challenge. The professional aim should be: Do not abandon the basic standards due to the high speed of the web but try to use and benefit from the sharing-economy and distribution of the web to produce digital content which is competitive. Having said that it is clear, that we must kill our darlings of editorial comfort to invest our shrinking resources to relevant digital products.

If we want to regain credibility, if we want to be the media for all, if we understand ourselves as being the institution to put the questions of the people on the table – than we have to adjust our work, invest more in research on the ground, enhance diversity of perspectives and interlocuteurs, be more courageous and fearless in questioning statements and political decisions. And we have to know what is discussed in the populist digital information rooms – if we do not know that – the starting point of our work is uncomplete and unilateral!

The easiest way to say that is: I’d like journalists to report on what is really happening instead of reporting what is said by officials. I don’t need any more me- too-products and official buzz, and honestly I do not want that someone far away from my situation of life is explaining me how I should perceive and interprete politics. This is also a clear effect of the digital news spread, which means in priority to exchange and share information not to distribute it unilaterally.

Journalists have to know what the fears and concerns of “normal” citizens are – they must understand what is discussed in the echo chambers of the populists. It makes all the more sense to take the fears and concerns of those people serious and to manage their legitimate requests. Which is very often not the case among journalists sitting in the capital. And very often lacking a distance to policy circles and deciders. People want journalists to report more about what happens really than to report what is said and declared!

 

Digital journalism stands in a hard competition – and there are very traditional essentials to be respected:

  • We have to make a difference in quality!
  • To be near to an event
  • To research not to report and echo
  • To factcheck accurately[1]
  • To give the context and the background

– this is part of our profession you may say! Yes, that it is right. But in the election campaign in Germany it has been obvious that media did not do that!

Don’t follow the agenda of the populists but have your own!

Don-t discuss misleading and provocative words of the populists – as journalists and politics did in the German election campaign by using the words “Obergrenze” (Limiting the number of refugees) or “kultureller Ausverkauf” (selling out of culture).

Get people involved – if media is not finding a way to better integrate audiences and social groups it will limit itself to products-out-of-a-distance which will no longer be competitive.

If we don’t deliver digital quality products we will lose the competition with the massive disinformation – and this is a serious risk for our democracies.

Part of our society does not feel themselves represented – neither by classical parties or the government, neither by media. And this impression is not so wrong in many perspectives: just one example – research showed clearly that German media covered the refugees migrating to Germany out of the “yes we can” – perspective of chancellor Merkel. And you find many examples for avoiding harmful issues, not reporting about AfD and its social background. Journalists are too often turning away from the fears and concerns of many voters, who support populist ideas.

We should not accept and observe passively that key issues of the future of our society are high-jacked by non-democratic actors on the web – like identity, like tolerance, like diversity. It is not a side aspect and a pure viral phenomenon,  it has quite practical and erosive effects on political opinion building and democracy.

It will be the web where it will be discussed and perhaps decided how we want to live together as a society and what our values are – and it is very important that all stakeholders of civil society develop ideas how we want to shape this digital information sphere and develop digital participation.

How could we build up more direct citizen interaction channels with politics, local government? How could we better connect digitally the different actors of our civil societies, building up a democratic network in the web? How about enhancing the access to information via the web by governmental institutions? In all these regards Germany is a few steps behind and must accelerate, perhaps encouraged by the digital forerunner Estonia, where people have the right to access the web by law.

It is high time to reshape and rethink the role models in our society; the profound change by digitalization of our information sphere opens up so many opportunities! We should ask ourselves how a digital civil society will look like in order to inclusively engage different social groups, to create and cultivate spaces of controversies – and what our role is in there!

Read more on that issue in my next book “Fake statt Fakt – wie Populisten, Bots und Trolle die Demokratie angreifen”, will be published in may 2018 at dtv editors house

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[1] Some examples exist already and I refer only to a few: The first draft coalition implies 40 media and web businesses to fact-check and verify information and fake news. also in Germany many new initiative started during the last two years as the Faktenfinder of the Tagesschau , corrective, Mimikama – just to name a few of these German-speaking projects. Not all of them a pure journalistic initiatives apart is seven society and non-governmental Organisation. Some are crowd-fund-financed.

 

“Refugee Aid Medal” by the Order of Malta for “Einfach nur weg”

Thanks to the Order of Malta for honoring me with the “Refugee Aid Medal” for my book “Einfach nur weg” that tells the story of 12 underage refugees and connects those with information on politics in their country of origin, their reasons to flee, and their escape way. 100% of the revenue goes to the Order of Malta to help refugee children.

You can get the book here.

 

People are not searching facts – they want to find approvals and emotions. How to combat fake and hate by tools of Media Development

Input to the Club of Madrid Conference in Tunisia in May 2017 on “Preventing Violent Extremism”

 

To counter radical messages and disinformation by “counter narratives” alone would not lead to any result. It is not enough to just react, to just correct or just to defend, what is distributed in the radical communities on the web. An appropriate answer by journalists and civil society in the aim to combat violent disinformation and radical messages means more than only reaction or correction: It means to activate our communication, innovate our way of story telling, to know the echochambers and the stories which are told there – and to know which our own narratives and stories are to counter the rumors, hate messages and violent images of radical sources.

 

This sounds complex? It is. And in many conflict and postconflict regions where DW Academy is working it is a key issue for media development. We also know, that in these regions we have to work with the media users, who are confronted with hate, fake and propaganda daily. We have to work on media literacy to prevent radicalization through digital information. It is a study on myself: For more than one year I research populist and radical social networks and their messages in German social media. And at the end of the day: I have no demand for alternative content or counter arguments!

Why is that? A few assumptions to start with:

 

Forget to combat fake and hate by creating counter narratives!

Public spaces are segregating and beside the pure radicalization we have to acknowledge that even in established democracies societies are polarized, democratic institutions undermined by non-democratic actors and voices in the web! And the more fragile censored or conflict driven countries, the more vulnerable they are – be it Libya, Syria, Sudan or Nigeria.

For most young people the newsfeed is a prioritized news source. Interpersonal sharing of information makes it more trustful for them. Much more trustful than institutional media content! But: my Facebook newsfeed, like my search engine results are algorithm-driven, as a consequence these are selected information. They do not give the whole information. But only a small part of users is aware of that.

There is a growing abuse of information by non-democratic actors to distribute propaganda. And a very real shrinking of press freedom worldwide! Turkey and Egypt are examples of how quickly countries step back to censorship.

Deutsche Welle Academy works in these conflict regions and societies. We pursue a multi-stakeholder-approach, in the aim to immunize societies against hate and violent messages, to raise conflict sensitivity and a critical understanding of information. What are we doing?

  1. We work with the journalists. Train them how to constructively and professionally act in a polarized society – by making a difference in quality. How to use open data or digital devices to research, verify and check sources and materials.
  2. We work with civil society actors and journalists and inspire them to shape snackable, shareable, likeable formats. What means: attractive content! We are convinced: to think about the web first makes sense. And ask yourself critically: Will your story work there?
  3. Share your stories where your audience is. Your stories will never reach their audience if you do not work with the platforms and networks they use. Social media is community driven and interpersonal. We know that users are not interested in institutional posts in those networks. Therefore, professional media, its journalists and actors of civil society are in a hugely competitive environment .
  4. Do not refrain from taking part in value debated on the web. Don’t be shy in putting yourself, your content into discussions.

 

Unfortunately it is not a jungle of disoriented voices – the relevance of echochambers:

There is still a problem with understanding the echochamber effects. I think we are underestimation its relevance: who we are as a society – which values, communication and culture will be ours  this fundamental question will also be shaped in the web! To perceive  the echochambers full of hate, fake, radical messages just as a “jungle of disorientated voices” is more than dangerous! It is where future generations form their attitude. And professional media should not only be aware but should also be interacting with its communities.

 

We still try to avoid harmful discussions 

We are no longer allowed to avoid difficult issues like social policy, poverty, marginalization of certain groups, corruption. Media must be dialogic, this is essential! We have to be part of the discussion even when it becomes difficult. To achieve that , we have to know what is discussed and what the radical narratives sounds like.

 

Do not fear new competitors – but fight against the loss in trust!

What makes radical and populist communication so effective, why are they more efficient in Agenda Setting than traditional parties or media? It is direct, it is personal, it is peer-to-peer- communication between same age people, it is community-driven, it is activating by distributing the message: just join us in this battle ! You could contribute!

This is – unfortunately – a more attractive story telling than many professional media offer. And we as Deutsche Welle Academy are working with journalists and media to establish an alternative and attractive way of interaction and storytelling on social media. There is a crisis in trust to traditional media. Only 6 % of Americans trust their media, in Germans the general trust is still much higher with 50 %. And yes, there are new competitors sharing emotional and activating stories. We should compete be innovating our way of telling stories.

The emotional way of storytelling that is – and media researches prove that – more convincing. It is evident by media usage research: people neither look for alternative opinions, nor for facts. They are looking for same opinions – which is one of the main reasons why the radical echochambers in the web are so successful.

What we also know: the Internet creates more opportunities to become radicalized. The internet accelerates the process of radicalization; the internet allows radicalization without physical content. And the internet increases opportunities for self-radicalization, because it offers many echo chambers where radical people find their ideas supported and echoed by other like-minded individuals. How do we deal with that? Could we fight back hate speech and violence?

 

Creating attractive content – the best way to fight back radical disinformation

I am not convinced that we could “fight back” – this is reactive, defensive. And in most individual cases it will come too late. We have to acknowledge that only certain parts of the population listen to us, and for sure not the radicalized people. An ISIS-infiltrated young french or german will not read the Frankfurter Allgemeine Zeitung or watch France2 for getting information about his “friends” or the situation in Syria. There is huge media business run by ISIS to recruit and promote their warfare. It is diverse, adventourious and inviting.

Media in those regions must provide clarification , exposing hate, deceit , abuse, stereotypes, advancing counter values by sharing experiences and uniting communities, give people the possibility to participate and make their word heard. Give them an active role. Deutsche Welle Academy is working in the refugees camp in Shatila and trains citizens journalists to tell their own stories, which weren’t told before. Or with rural communities in Myanmar confronted with ethnical stereotypes or violence.

In this context, well made journalism could create concrete added value to target audiences, vulnerable to radicalization. It could create public space for opinion and discussion, it could put issues of the target audiences on the agenda. It should be attentive and accurate when it comes to radical stereotypes and prejudices. And of course, it should reveal and research the systematics of hate speech and radical messages, should explain and fact-check what their key messages are and it these are fake or fact. All this is right. It is a professional duty. But it’s not enough!

 

Media Literacy is key in combating Hate, Fake and Desinformation

Combating hate and fake is one of the main activities of DW Academy and we prefer to offer early, preventive multi-stakeholder approaches. Our strategic aim in many of the conflict or post conflict regions is to enhance Media Literacy: we want the media users to know how reliable, how neutral, how professional the information is, they are using.

 

Media literacy starts from the question: how should we use media – but it leads to a far more interesting and activating level: we want users and audiences to play an active part in the communication. We encourage them to produce their own stories. Who could better tell it than themselves? We know from our practical experience that media and information literacy is key if we want to prevent future generations from radicalization in target regions, if we want to make them immune against hate and radicalism, against xenophobia and terror recruitment. This is a good reason, why we are working in six very different countries on Media Literacy: Moldova, Cambodia, Palestinian. Territories, Namibia, Kenya, Burundi – and in the near future in Nigeria. And each of this projects, is different from the other – by good reasons. If you want to know more about that, visit the Website of DW Academy: http://www.dw.com/en/dw-akademie/media-development/s-12120

 

Media development as a lever for social, economic and democratic development

We also know, that the best successes in combating hate and fake and in raising Media Literacy are reached if we could work on a professional, educational (university, schools) and political level. When these stakeholders in education, politics and civil society work hand in hand on media and information literacy – if they make it a priority and share it as a priority – that makes it easier to combat disinformation, the spread of fake and hate.

To make it short:

We work with media + journalists

With the media users

With civil society

And wherever possible with political decision makers

What does the multi-stakeholder-approach mean concretely in our media development work? It includes for example the work on political surrounding conditions – through guidance from government offices and NGOs. But it also means advising media and journalists with the development of new business models, so that they stay or become economically independent. We support professional interest groups between journalists, to more clearly represent and protect their interest in the dialogue with political decision makers.

We count on different partners and project execution organisations – and we know: It takes a long breath if we want to be measurable and sustainable.

 

Medien entwickeln, das Recht auf digitale Teilhabe durchsetzen – warum Medienentwicklungszusammenarbeit wichtiger wird

Das Internet birgt unerschöpfliche Chancen auf Bildung, Partizipation und wirtschaftliches Wachstum. Es kann ein Hebel sein für Entwicklung insgesamt. Jedoch nur, wenn es gesetzlich und politisch den Rahmen und die Freiheit dafür gibt. Und wenn Menschen ungehindert den Zugang zu digitalen Informationen haben. Doch dieses Grundrecht auf Meinungs- und Informationsfreiheit wird zunehmend beschnitten und eingeschränkt. Ein Beitrag zur Medienentwicklungszusammenarbeit für den Blog zur Zukunft der Entwicklungszusammenarbeit des Deutschen Instituts für Entwicklung D I E. Read more

Einfach nur weg” – ein Gespräch mit dem IfA zu Flucht und Migration

Im Oktober 2016 startete die  Veranstaltungsreihe “KulturPolitik im Dialog” im Institut für Auslandbeziehungen -IfA – in Stuttgart mit dem Thema Flucht und Migration. IfA Kollegin Juliane Pfordte stellt in ihrem Interview Fragen zum DW-Buch “einfach nur weg – die Flucht der Kinder”, das im Rahmen der Reihe vorgestellt wurde. 12 Geschichten zu Fluchtursachen und Fluchtwegen jugendlicher Flüchtlinge aus Afghanistan, der Elfenbeinküste, dem Iran, Guinea, Sierra Leone, Somalia, Syrien, Tschetschenien. Read more …..

Kein Recht auf digitale Teilhabe in vielen Ländern –

Die große Freiheit des Netzes ist in vielen Regionen der Welt nur eine Täuschung. Insbesondere in arabischen Ländern, den Nachbarländern Russlands und Subsahara-Afrika markierte das Jahr 2015 ein Tiefpunkt für demokratische Entwicklung und bürgerliche Freiheiten. Beitrag aus einem Dossier der Heinrich Böll Stiftung.

Wie passt das zusammen? Mehr als zwei Milliarden Menschen auf der Welt nutzen das Handy. Schätzungen der ITU[1] zufolge hat die Hälfte der Weltbevölkerung einen Zugang zum Netz. Es gibt so viele Informationen wie nie zuvor und mehr Menschen als je zuvor haben heute weltweit Zugang zu ihnen. Das Netz (und das Mobiltelefon) machen es möglich!

Doch auch das Netz hält den dramatischen Trend nicht auf, von dem journalistische Nichtregierungsorganisationen berichten: in alle Weltregionen wächst der Druck auf unabhängige Journalist/innen, und das gilt für analoge wie digitale Medien: Zensur, existenzielle Drohungen und Einschüchterungen, wachsenden Druck auf analoge wie digitale Medien. Ein Trend, der vor allem in autokratisch regierten Staaten wie Ägypten, Russland oder der Türkei auftritt, und in der Türkei mit der Festnahme von mehr als 40 Journalist/innen nach dem Putsch einen aktuellen dramatischen Höhepunkt fand. Ein Trend, der aber auch Folge von bewaffneten Konflikten[2] ist. Aus allen diesen Ländern können Journalist/innen nur unter Gefahren berichten. Und Nutzer/innen müssen befürchten, dass sie unmittelbar belangt werden, wenn sie nur oppositionelle Webseiten besuchen, unabhängige oder kritische Informationen über Facebook oder Twitter teilen.

Kontrolle und Zensur digitaler, öffentlicher Räume

Wie im Fall der 15-jährigen palästinensischen Tamara Abu Laban in Ostjerusalem, die von der israelischen Polizei zuhause abgeholt und verhaftet wurde. Ihr Vergehen? Sie hatte ihren Facebook Status mit den Worten „Vergib mir!“ angegeben. Die israelischen Sicherheitskräfte bewerteten das als „Anstiftung zu Gewalt“. Fünf Tage Hausarrest und eine Geldstrafe waren die Folge. Außer Tamara ging es in 2015/16 weiteren 150 Nutzer/innen in Israel und den von Israel kontorollierten palästinensischen Gebieten so, die aufgrund ihres Verhaltens im Netz festgenommen wurden.

Zwar ist die technische Infrastruktur heute weltweit vorhanden, es stehen mehr Informationsquellen zu Verfügung – auch in Entwicklungs- und Schwellenländern hatten 2015 54 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer Zugang zum Internet[3]. In den Industrieländern waren es 87 Prozent. Doch die neuen digitalen öffentlichen Räume werden – in repressiven Staaten, in Konflikten und Kriegen – kontrolliert, manipuliert, zensiert.

Das Internet als Entwicklungsmotor

Das Netz hat dafür gesorgt, dass die Zivilgesellschaften in vielen Ländern heute sehr viel stärker öffentlich präsent ist als noch vor zehn Jahren. Sie setzt ihre Themen auf die Agenda, fordert Rechenschaft – auch dort, wo sie keinen Zugang zu den traditionellen Medien hat. Das Netz bietet durch seine globale und sprachübergreifende Funktionsweise großartige Chancen für investigative Projekte, wie die Panamapapers. Erst durch das Netz ist es möglich, diese immensen Datenmengen zu transportieren und zu verwerten. Es bietet über nutzergenerierte Inhalte (user generated content) für die Berichterstattung über Krisen und Konflikte neue Quellen an.

Das Netz hebt einseitige Medienkommunikation auf, macht den Dialog der Nutzer/innen mit den Produzenten leicht. Es schafft so neue Formen der Beteiligung. Zusammenfassend heißt das: das Internet birgt unerschöpfliche Chancen auf Bildung, Partizipation und wirtschaftliches Wachstum. Jedoch nur, wenn es gesetzlich und politisch den Rahmen und die Freiheit dafür gibt. Wo es diesen Rahmen nicht gibt, da lassen sich die Freiheiten und Chancen, die das Netz bietet, mit ein paar Algorithmen, Filtern oder propagandistischen Kampagnen stören, gar zerstören. Wer freie und unabhängige Informationen zensieren oder gar verhindern will, der tut das – gleichgültig ob diese im Netz oder in analogen Medien verbreitet werden.

Und genau das wollen staatliche und nichtstaatliche Akteure in vielen Regionen. Auch autoritäre Regime, Sicherheits- und Geheimdienste oder Konfliktparteien haben die Funktionsweise des Internets verstanden. Sie nutzen die virale Verbreitung von Informationen im Netz für ihre politischen Interessen und Zwecke. Ob im digitalen Dschihad des IS oder im Informationskrieg Russlands gegen die Ukraine: Die Menge parteilicher und manipulativer Informationen durch diese Akteure hat immens zugenommen. Die Radikalisierung des Attentäters von Nizza oder jungen Deutschen, die als Kämpfer zum IS gehen, passiert vor den Bildschirmen und im Internet. Dort – in den Echoräumen der sozialen Medien – sind sie umgeben von Gleichgesinnten. Dort erreichen die Medienstrategen des IS ihre Zielgruppen mit einer Vielzahl attraktiver multimedialer und webaffiner Inhalte.

Die große Freiheit des Netzes ist eine Täuschung

Die große Freiheit des Netzes – die Zivilgesellschaft und Journalisten neue Räume eröffnet, eine neue Mitsprache ermöglicht – sie ist in vielen Regionen nur eine Täuschung! Der Zustand von Medien, Meinungsvielfalt und Informationsfreiheit ist ein klarer Indikator für die Freiheit und Unfreiheit im Land. Ein Gradmesser für den demokratischen Zustand des Landes. Und der Trend ist negativ: Für die arabischen Ländern, die Nachbarländer Russlands (insbesondere den Kaukasus, Belarus, Zentralasien) und Subsahara-Afrika gilt: 2015 war ein neuer Tiefpunkt für demokratische Entwicklung und bürgerliche Freiheiten.[4]

Dort wo der Freiraum für abweichende Meinungen, für die Zivilgesellschaft, politisch nicht gewollt wird, dort werden auch die Freiräume im Netz beschnitten. Je mehr Menschen das Netz nutzen, desto stärker verhindern oder begrenzen repressive Regime den Zugang zu Information, kontrollieren Nutzerverhalten im Netz.

Das Netz ist nur so frei wie der gesetzliche und politische Rahmen

In China müssen sich Internetnutzer seit 1996 beim Ministerium für Staatssicherheit registrieren lassen, seit 1997 unterstehen Internetbetreiber staatlicher Kontrolle. Seit einigen Jahren ist es verboten, Nachrichten ohne staatliche Genehmigung im Internet zu verbreiten! Das passt zu der Verhinderungspolitik gegenüber der Zivilgesellschaft insgesamt. Auch in Äthiopien oder sind laut Freedom House landesweit Filter installiert, die bestimmte Seiten und Inhalte blockieren. Das gilt auch für die Webseiten der Opposition in Myanmar. Dort sind die Betreiber von Internetcafés überdies verpflichtet, dass die Computer alle fünf Minuten alle genutzten Seiten speichern, so dass die Netzaktivitäten der Kunden verfolgt werden können. In Kasachstan sind die Seiten großer Blogbetreiber wie WordPress oder Livejournal gesperrt, wird der Content von Nichtregierungsorganisationen oder oppositionellen Parteien staatlich überwacht. Auch in der Türkei wurde die Zensur gesetzlich verschärft. Behörden können Internetseiten ohne Gerichtsbeschluss sperren, wie im März 2014 der Internetdienst Twitter. Außerdem sollen die Behörden das Recht bekommen, das Surfverhalten von Internetnutzern aufzuzeichnen und zwei Jahre lang zu speichern, ohne die Betroffenen darüber zu informieren.

Das schließt andererseits nicht aus, dass Erdogan dieselben sozialen Medien, die er einerseits stark kontrolliert, für die Durchsetzung seiner Interessen nutzt: So rief er in der Putschnacht über Twitter seine Anhänger dazu auf, gegen die Putschisten zu demonstrieren. Und einige Stunden später ließ er sich über Facetime zum Live-Interview beim TV Sender CNN Türk zuschalten. Über Satellit und Kabel wurde die Übertragung des Interviews mit Erdogan zwar unterbrochen, aber über das Netz erreichte sie Millionen Nutzer/innen.

Das Netz setzt auch nicht die Gesetze des Marktes außer Kraft: in Ländern, wo professionelle Medienunternehmen nicht überlebensfähig sind, wird dieses Problem nicht durch das Internet gelöst – sondern im Zweifel durch die schnell wachsende Konkurrenz vernetzter Informationen noch verstärkt. Das trifft zum Beispiel die Medienmärkte Osteuropas: Hier konkurrieren zu viele Medien um zu wenige Nutzer.[5] Die Medienbetriebe hängen von ihren politischen Eigentümern ab. Diese wirtschaftliche Abhängigkeit führt zu entsprechenden inhaltlichen Abhängigkeiten, zu einseitiger, parteischer Berichterstattung und Selbstzensur. Medien werden ihrem Auftrag nicht gerecht, unabhängig zu berichten. Die Folge: ein massiver Glaubwürdigkeitsverlust der Medien bei der Mehrzahl der Menschen im Land.

Digitale Teilhabe ist ein Schlüssel für Entwicklung

Der technische Zugang ist immer noch in vielen Regionen nur wenigen Menschen möglich: in Äthiopien und Uganda besitzen gerade einmal 4 Prozent aller Menschen ein Smartphone, um Informationen aus dem Internet zu erhalten. Pakistan steht mit 11 Prozent Smartphone-Nutzung besser da – und ist etwa gleichauf mit Burkina Faso und Tansania. In Russland sind es 45 Prozent, vergleichbar mit anderen Schwellenländern wie Venezuela und Brasilien. Doch für alle diese Länder gilt: nach wie vor sind die Menschen auf dem Land, sind vor allem Frauen und Menschen mit geringem Bildungsgrad kaum in der Lage, Inhalte über das Netz zu erhalten.

Es ist eine unmittelbare Wechselwirkung: Wo das Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung nicht respektiert wird, wo es durch Gesetze, Verhaftungen oder Einschüchterungen eingeschränkt wird, dort wird der Spielraum für Zivilgesellschaft, für Vielfalt und Beteiligung sei sie politisch, sozial oder wirtschaftlich – schrumpfen.

Das hat gravierende Auswirkungen: Denn die Verfügbarkeit von Informationen und die Beteiligung an Kommunikation haben nachweislich Auswirkungen auf die Entwicklung ganzer Volkswirtschaften: So fand die Weltbank heraus, dass jedes Handy pro 100 Menschen mehr in einem Entwicklungsland ein zusätzliches Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozentpunkten ergibt. Das bestehende Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung und Zugang zu Information ist nicht weniger als eine Voraussetzung dafür, andere Menschen- und Grundrechte ebenfalls wahrnehmen zu können – und damit inklusive Entwicklung für alle Menschen einer Gesellschaft zu ermöglichen.

Digitale Teilhabe ist also kein Add-on, sondern Voraussetzung für Entwicklung.[6]Digitale Teilhabe heißt: Menschen können frei und ungehindert unabhängige Informationen nutzen. Digitale Teilhabe setzt jedoch nicht nur voraus, dass alle Nutzerinnen und Nutzer Zugang zu digitalen Informationen haben. Dass sie nicht verhaftet, bedroht oder verhört werden, wenn sie im Netz ihre Meinung äußern.

Voraussetzung für digitale Teilhabe ist aber auch, dass Menschen wissen, mit diesen Informationen umzugehen. Damit die Verfügbarkeit von Informationen im Netz zu mehr Freiheit, mehr Rechenschaft, mehr Pluralität führen kann, brauchen Nutzer/innen überall auf der Welt die entsprechenden Kompetenzen.[7] Diese Medienkompetenz hinkt in vielen Regionen der Welt dem technischen Fortschritt hinterher. „Media and Information Literacy“ heißt vor allem, die richtigen Fragen zu stellen: Wie kann ich Meinung und Fakten trennen? Wie lassen sich Medienbotschaften verstehen oder einordnen? Wie finde ich alternative Informationen? Wie kann ich mich im Netz wirkungsvoll beteiligen?

Wer diese Kompetenzen hat, der/die kann trotz Einschränkungen und Manipulationen die Informationen im Netz für seine/ihre Bildung, Entwicklung, gezielte Vernetzung und zivilgesellschaftliches Engagement besser nutzen. Der/die unterscheidet das Wahre vom Unwahren. Dann wäre erreicht, was das Netz eigentlich anbietet: die große Chance auf digitale Teilhabe!

Dieser Artikel ist ein Beitrag aus dem Dossier der Heinrich Böll Stiftung vom 13.9.2016

Dossier: “Es wird eng – Handlungsspielräume für Zivilgesellschaft”. Read more

Fußnoten

[1] ITU = International Telecommunication Union, dt: Internationale Fernmeldeunion ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, die sich offiziell und weltweit mit technischen Aspekten der Telekommunikation befasst.

[2] Besonders betroffen u.a. Syrien, Libyen, Burundi, Jemen usw.

[3] Quelle: pewglobal

[4] Freedom House bildet in seinem Index 195 Länder ab: 2015 galten 89 (46 percent) als “frei”, 55 (28 percent) als “teilweise frei” und 51 (26 percent) “nicht frei”.

[5] In Georgien zum Beispiel sind es 138 TV-Sender, und 21 Radiosender.

[6] „Digitale Teilhabe“ ist auch deshalb eines der zentralen strategischen Ziele der DW-Akademie (englische Version).

[7] Ist eines der zentralen Handlungsfelder der Medienentwicklungszusammenarbeit. Die führende Organisation für Medienentwicklung in Deutschland die DW Akademie, die in rund 50 Ländern weltweit mit Mitteln des BMZ, des AA und multilateraler Organisationen Projekte durchführt.

https://www.boell.de/de/2016/09/13/shrinking-civic-spaces-das-recht-auf-digitale-teilhabe-wird-vielen-regionen